Diese Mischung tut so, als wäre sie ein langweiliges Weltportfolio, ist aber eher ein Weltportfolio auf Energydrink. 68% stecken im All-World-ETF, das ist das brave Grundgerüst. Dann kommen 12% Momentum, 8% Automatisierung & Robotik und 5% Small Caps obendrauf – also dreimal Extra-Schärfe auf einer Pizza, die schon scharf genug war. Formell „ausgewogen“, praktisch aber ziemlich klar auf Wachstum, Trend und Zukunfts-Storys gebürstet. Das sieht nach jemandem aus, der Diversifikation gegoogelt hat, aber die coolsten Factor-ETFs nicht liegen lassen konnte. Ergebnis: strukturiert, aber mit eindeutigem Hang zum Adrenalin.
Historisch hat das Ganze aus 1.000 € etwa 2.344 € gemacht – CAGR 12,59%. Nett, aber der US-Markt war mit 14,77% einfach schneller unterwegs. Gegen den globalen Markt liegt das Portfolio minimal vorne, also kein Desaster, aber auch kein „genialer Masterplan“. Die maximale Delle lag bei rund -33,5%, praktisch identisch zum Markt: wenn’s scheppert, fällt hier nichts weicher. CAGR, also die durchschnittliche Jahresrendite mit Zinseszinseffekt, wirkt stabil, aber eben rückspiegelbasiert. Gestern hat der Motor gehalten – ob er die nächste Strecke genauso schafft, ist damit nicht versprochen.
Die Monte-Carlo-Simulation würfelt 1.000 mögliche Zukunftsverläufe durch, so wie ein Wetterbericht, der 1.000-mal Regen oder Sonne simuliert. Median nach 15 Jahren: aus 1.000 € werden etwa 2.772 €. Das „wahrscheinliche“ Band reicht von ca. 1.878 € bis 4.260 €, und im Extremfall geht’s von fast Kapitalerhalt bis zu sehr sportlichen 7.847 €. Klingt gut, aber alle diese Zahlen sind nur hochrechnete Varianten von „wenn die Zukunft ungefähr wie die Vergangenheit tickt“. Die Streuung zeigt: das Portfolio lebt klar im Aktienmodus – nette Chancen, aber mit genug Raum für Bauchschmerzen.
100% Aktien – kein Sicherheitsgurt, nur Vollgas. Für ein angeblich „balanciertes“ Profil ist das schon ziemlich kompromisslos. Keine Anleihen, kein Cash-Puffer, nichts, was im Crash freiwillig die Feuerwehr spielt. Assetklassen sind wie verschiedene Musikrichtungen auf einer Playlist: hier läuft ausschließlich „Aktien-Rock“, und zwar durchgehend. Das sorgt für Klarheit (wenig kompliziert), aber auch dafür, dass die Stimmung im Depot brutal von der Laune der Aktienmärkte abhängt. Wenn die Show läuft, super. Wenn nicht, stehen hier alle Instrumente gleichzeitig im Feuer.
Sektorverteilung: 35% Technologie, dazu noch Schübe aus Robotik und Momentum, die ohnehin gern wieder Tech und Industrie übergewichten. Offiziell wirkt die Tabelle halbwegs bunt, aber unter der Haube ist das ein „Tech und Freunde“-Portfolio. Finanzwerte, Industrie und Gesundheit sind da, klar, aber das Entscheidende ist der massive Tech-Überbau. Das ist so, als würde man behaupten, man esse ausgewogen, aber 35% des Tellers sind Pizza, und der Rest sind Beilagen dazu. Wenn Tech schwächelt, gibt es hier nicht nur einen Schnupfen, sondern eine ordentliche Grippe.
Geografisch: 60% Nordamerika, der Rest ist Deko. Europa 14%, Japan und Asien entwickelt zusammen 15%, Emerging Markets mit 6% nur dosiert – und Afrika/Latam praktisch in der Statistenrolle. Also: US-/Nordamerika-Schwerpunkt mit globalem Alibi. Für ein Weltportfolio ist das nicht unüblich, aber es bleibt halt „America first“ im Kern. Die leichte Dosis Emerging Markets wirkt wie ein Gewürz, das man sich getraut hat, aber nicht zu viel, damit es nicht brennt. Wenn Nordamerika mal keine Lust mehr hat zu liefern, merkt dieses Depot das sehr direkt.
Bei der Marktkapitalisierung sitzen 43% in Mega-Caps und 34% in Large-Caps – der Schwergewichtsclub dominiert klar. Mit 18% Mid-Caps und einem Extra-Small-Cap-ETF kommst Du zwar minimal in Richtung „Hidden Champions“, aber das ist eher Beilage als Hauptgericht. Die große Show wird von den ganz Großen gespielt, die in jedem Index sowieso überrepräsentiert sind. Das macht die Rendite stark abhängig von einigen wenigen globalen Riesen, während die kleinen Unternehmen eher Statisten bleiben. Stabiler als reiner Small-Cap-Zock, aber auch sehr Mainstream im Kern.
Die Look-Through-Ansicht schreit: Mega-Tech-Konzert mit Stammgästen. Nvidia, Apple, Microsoft, TSMC, Amazon, Alphabet gleich doppelt – die üblichen Verdächtigen sind mehrfach in verschiedenen ETFs versteckt. Dass nur 25,6% der Positionen abgedeckt sind und trotzdem schon diese Klumpen sichtbar werden, ist bezeichnend. Overlap heißt: du glaubst, Du hast fünf ETFs und damit Breite, aber viele davon treten auf denselben Aktien rum. Also weniger „Fünf Stimmen im Chor“, eher drei Leute mit demselben Song in Dauerschleife. Diversifikation fühlt sich hier größer an, als sie real ist.
Beim Risiko tragen die Top-3-Positionen knapp 88% der Gesamtschwankung – der Rest darf mitlaufen, aber nicht mitreden. Der All-World-ETF macht 68% Gewicht und 65,6% Risiko, also fair. Aber Robotik liegt bei 8% Gewicht und mehr als 10% Risikobeitrag – der kleine, hibbelige Kumpel, der immer zu laut ist. Risk/Weight von 1,34 zeigt: dieser Baustein schnarcht nie. Risiko-Beitrag heißt im Klartext: wer sorgt wirklich für die Stimmungsschwankungen im Depot. Hier sind es wenige ETFs, die die Party lauter machen, während andere nur so tun, als wären sie wichtig.
Dieser Chart zeigt die Efficient Frontier, berechnet auf Basis deiner aktuellen Positionen mit unterschiedlichen Gewichtungen. Er hebt das beste Verhältnis zwischen Risiko und Rendite hervor, basierend auf historischen Daten. "Effiziente" Portfolios maximieren die Rendite für ein gegebenes Risiko oder minimieren das Risiko für eine gegebene Rendite. Portfolios unterhalb der Kurve sind weniger effizient. Diese Grafik dient nur zu Informationszwecken und stellt keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.
Klicke auf die farbigen Punkte, um Gewichtungen zu erkunden.
Die Effizienz-Analyse ist der unerwartete Plot-Twist: trotz all der Momentum- und Tech-Neigungen liegt das Portfolio praktisch auf der effizienten Frontier. Die Sharpe Ratio von 0,66 ist zwar niedriger als beim optimalen Mix (0,79), aber der Abstand ist eher Feintuning als Totalschaden. Die effiziente Frontier ist die Kurve „bestes Verhältnis von Risiko zu Rendite mit diesen Bausteinen“. Du sitzt nah dran – also innerhalb Deiner eigenen Zutaten halbwegs clever gewichtet. Das macht die Konstruktion weniger chaotisch, aber rettet natürlich nicht vor Aktienstürmen.
Kostenmäßig wirkt das Ganze erschreckend vernünftig: Gesamt-TER von 0,16%, also eher Discounter als Boutique. Der All-World-ETF drückt mit 0,14% ordentlich nach unten, EM mit 0,18% ist solide, nur Robotik und Small Caps gönnen sich mit 0,35–0,40% einen Premium-Aufschlag. Für ein Portfolio mit „Fancy-Faktor-Zeug“ sind die Gebühren erstaunlich zahm – Du hast es geschafft, Storytelling-ETFs zu nutzen, ohne in die 0,7%-Kostenfalle zu rennen. Trotzdem bleibt: jeder Basispunkt geht dauerhaft von der Rendite ab. Günstig ist gut, kostenlos wäre besser, aber das wäre dann schon Märchenland.
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