Auf dem Papier sieht das nach einer erwachsenen Mischung aus: ein dicker Welt-ETF, ein globaler Bond-ETF, etwas Nasdaq und ein einzelner Star-Stock. In der Praxis ist es eher: „68 % Weltfonds und dann ein Nvidia-Bungee-Seil nebendran.“ Die Struktur wirkt so, als wäre erst ein solides All-World-Gerüst gebaut worden und dann hat jemand kurz vor Schluss beschlossen, noch eine Einzeltitel-Wette mit Turbo einzubauen. Das Ergebnis ist ein Portfolio, das sich gern „breit diversifiziert“ nennen lässt, aber faktisch an einer einzigen Aktie hängt wie ein Anhänger an einem LKW.
Die Historie ist die klassische „sieht gut aus, bis man vergleicht“-Story. Aus CHF1’000 wurden CHF1’473 – nett, bis man sieht, dass der US-Markt im gleichen Zeitraum deutlich schneller davongezogen ist und die globale Benchmark auch klar vorne liegt. Die CAGR von 17,73 % klingt beeindruckend, relativ dazu ist sie aber eher Mittelklasse. Die maximale Delle von knapp -23 % zeigt, dass der Schmerz durchaus da war, ohne die volle Entlohnung dafür zu bekommen. Und dass 90 % der Rendite auf nur fünf Tage entfallen, sagt: Das Ding lebt von wenigen Glücksmomenten, nicht von gleichmässiger Qualität.
Die Monte-Carlo-Simulation ist im Prinzip ein Finanz-Wetterbericht: man würfelt tausende mögliche Zukunftsverläufe durch und schaut, wie oft das Ganze nicht komplett schiefgeht. Median bei etwa CHF2’682 nach 15 Jahren klingt solide, die Spannbreite von „knapp über Einstand“ bis „Jackpot-Gefühl“ zeigt aber, wie launisch dieses Setup ist. 76,8 % Chance auf ein positives Ergebnis ist okay, aber eben keine Garantie auf ruhigen Schlaf. Wie immer gilt: Das ist Statistik, keine Kristallkugel – eher wie historische Wetterdaten für die Ferienplanung. Hilfreich, aber der Sturm hält sich nicht an den Bericht.
Die Asset-Allocation schreit „Wachstum, aber mit Alibi-Sicherheitsgurt“: 84 % Aktien, 16 % Anleihen. Für ein Wachstumsprofil ist das absolut im Rahmen, aber der Bondblock wirkt mehr wie Feigenblatt als echte Bremse. Die Anleihen tragen fast nichts zum Risiko bei, sind aber der einzige Grund, warum das Ganze nicht als reines Aktien-Zockerdepot durchgeht. Das Setup ist im Kern: Vollgas auf Aktien, dazu ein kleines „Beruhigungskissen“, das im Crash eher psychologisch als mathematisch relevant ist. Immoblien, Rohstoffe oder andere Bausteine fehlen komplett – das ist klassisches Zwei-Baustein-Denken.
Diese Aufschlüsselung umfasst nur den Aktienanteil deines Portfolios.
Sektorenseitig ist das ein Tech-lastiger Weltindex mit extra Tech-Boost obendrauf. 29 % Technologie, und das ohne die versteckte Power von Nasdaq-100 und Nvidia wirklich vollständig abzubilden. Das ist kein neutraler Sektor-Mix, das ist eine klare Liebeserklärung an alles, was Chips, Cloud oder Plattform im Pitchdeck stehen hat. Finanzwerte, Industrie, Konsum sind Beifahrer, nicht Fahrer. Das Problem: Wenn Tech glänzt, sieht dieses Portfolio wie Genie aus. Wenn Tech hustet, bekommt es Grippe. Der Sektor-Mix ist also weniger ausgewogenes Menü, mehr „fast nur Hauptgang, kaum Beilage“.
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Geografisch ist das Ding sehr US-lastig veranlagt, auch wenn der All-World-ETF nach Weltreise klingt. 59 % Nordamerika plus die Tech-Überlagerung bedeutet: die grösste Volkswirtschaft dominiert klar die Show. Europa, Japan und der Rest der Welt dürfen statistisch mitspielen, bestimmen aber den Kurs nicht. Das ist der typische „weltweit investieren, aber eigentlich an den US-Aktien hängen“-Ansatz. Überraschend sinnvoll, aber eben auch deutlich abhängiger von einem einzigen Wirtschaftsraum, als der Name „FTSE All-World“ suggeriert. Weltkarte ja, aber die Gewichtung sagt: USA first, der Rest darf im Programmheft stehen.
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Bei der Marktkapitalisierung ist das Portfolio voll auf die Big Boys geeicht: Mega- und Large-Caps dominieren klar, Mid-Caps sind Randnotiz, Small Caps praktisch nicht existent. Das ist wie nur in die grössten Konzerne einer Stadt zu investieren und zu tun, als gäbe es keine spannenden Mittelständler. Der Vorteil: Liquidität ohne Ende, weniger Einzeltitel-Risiko als bei Microcaps. Der Nachteil: Man hängt voll an der Laune der bereits hochgepreisten Mega-Konzerne. Wachstum aus der zweiten Reihe spielt kaum eine Rolle, der Motor ist eher „Blue-Chip-Index auf Steroiden“.
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Die Look-Through-Ansicht zeigt das eigentliche Highlight: Nvidia klebt mit insgesamt 9,42 % am Steuer, 5,5 % davon direkt, der Rest über ETFs. Dazu kommen die üblichen Verdächtigen wie Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet – alles in mehreren Hüllen verpackt. Das ist das Finanz-Äquivalent von dreimal denselben Song in verschiedenen Playlists. Die Abdeckung ist zwar nur ein Viertel des Portfolios, aber selbst hier sieht man: Konzentration auf dieselben Tech-Giganten statt echte Streuung. Offiziell „All-World“, inoffiziell „FAANG & Friends mit Nvidia-Fokus“.
Die Risikobeiträge sind der wahre Plot-Twist: Nvidia bringt bei nur 5,5 % Gewicht satte 74 % des Gesamtrisikos. Das ist nicht „ein bisschen Klumpenrisiko“, das ist eine Ein-Mann-Show. Der All-World-ETF mit fast 69 % Gewicht liefert nur rund 22 % Risiko, der Rest ist statistisches Rauschen. Das heisst: Das gesamte Auf und Ab des Depots hängt faktisch an einer einzigen Aktie, während der grosse, langweilige ETF den braven Stabilitätsjob macht. Wenn Nvidia niese, hustet das ganze Portfolio. Wenn Nvidia erkältet ist, liegt die Gesamtperformance im Bett.
Dieser Chart zeigt die Efficient Frontier, berechnet auf Basis deiner aktuellen Positionen mit unterschiedlichen Gewichtungen. Er hebt das beste Verhältnis zwischen Risiko und Rendite hervor, basierend auf historischen Daten. "Effiziente" Portfolios maximieren die Rendite für ein gegebenes Risiko oder minimieren das Risiko für eine gegebene Rendite. Portfolios unterhalb der Kurve sind weniger effizient. Diese Grafik dient nur zu Informationszwecken und stellt keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.
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Die Effizienzkurve verpasst dieses Portfolio mit Ansage. Der Sharpe von 0,93 liegt klar unter dem optimalen Punkt von 1,15, und die aktuelle Position sitzt rund 3,4 Prozentpunkte unter der effizienten Frontier. Übersetzt: Mit denselben Bausteinen wäre eine Kombination drin, die bei geringerem Risiko eine ähnlich gute oder sogar bessere Rendite geliefert hätte. Die aktuelle Mischung ist also kein „mehr Risiko, mehr Ertrag“, sondern „viel Risiko, mittelmässig eingepreist“. Wer das mag, soll es als Charakterzug sehen: Das Portfolio hat Talent, weigert sich aber, optimal eingesetzt zu werden.
Die Kosten sind fast schon unverschämt vernünftig: eine Gesamtkostenquote um 0,13 % ist auf ETF-Niveau, bei dem sich kaum jemand ernsthaft beschweren kann. Das ist der seltene Fall, in dem das Drama im Portfolio nicht aus Gebühren kommt, sondern aus bewussten Risikoentscheidungen. Man könnte fast sagen: Die Auswahl der Produkte ist sauber, das Problem ist, was daraus gebaut wurde. Gebührenseitig ist das ein günstiger Sportwagen – der Unfall wird nicht teuer, weil die Werkstatt abzockt, sondern weil der Fahrer zu viel Gas gegeben hat.
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